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Monitoring and Pathogenesis of Flavivirus Infections in Wild Birds and Domestic Poultry in Germany

 

bearbeitet am Institut für neue und neuartige Tierseuchenerreger 

 

Zoonotische Flavivirusinfektionen: Monitoring von Wildvögeln in Deutschland und Pathogenesestudien an Wirtschaftschaftsgeflügel

Wildvögel spielen eine bedeutende Rolle als Reservoirwirte und/oder Vektoren im Übertragungszyklus endemischer oder neu auftretender viraler Zoonoseerreger in Zentraleuropa. Im Rahmen des weltweiten Vogelzuges können diese Erreger zudem über weite Strecken transportiert und damit aus Endemiegebieten in neue, bisher freie Gebiete eingeschleppt werden.

Aufgrund dessen wurde ein deutschlandweites Wildvogelnetzwerk aufgebaut, um Zug- und Standvögel flächendeckend insbesondere auf die zoonotischen, durch Stechmücken übertragenen Flaviviren West-Nil-Virus (WNV) und Usutu-Virus (USUV) zu untersuchen.

Das WNV kann schwerwiegende Erkrankungen bei Menschen und Pferden, aber auch verschiedenen Vogelarten verursachen. Das eng verwandte USUV ist vor allem mit einer erhöhten Vogelsterblichkeit (v.a. von Amseln und Bartkauzen) assoziiert.

Deutschlandweit wurden zum einen Blutproben von lebenden Wild- und Zoovögeln, sowie vereinzelt auch Organproben eingesandt und umfangreich molekularbiologisch und serologisch untersucht.

Im Untersuchungszeitraum von 2014 bis 2018 wurde vermehrt das USUV in vielen Wildvögeln nachgewiesen. Während das Virus in den Jahren 2014 bis 2016 vor allem im Süden Deutschlands zirkulierte, konnte im Untersuchungszeitraum 2017 und 2018 eine zunehmende Ausbreitung über ganz Deutschland beobachtet werden. Im gesamten Untersuchungszeitraum wurden neutralisierende Antikörper gegen das USUV vor allem in Standvögeln nachgewiesen, aber auch in Kurz- und Teilstreckenziehern. In den Jahren 2017 und 2018 war ein deutlicher Anstieg der Seroprävalenz gegen das USUV, im Vergleich zu den vorherigen Jahren erkennbar, insbesondere in Regionen in denen das Virus erstmals nachgewiesen wurde.

WNV-spezifische RNA konnte noch in keinem der untersuchten Vögel des Lebendmonitorings zwischen 2014 und 2018 nachgewiesen werden, obwohl das WNV im August 2018 in verendeten Vögeln und Pferden erstmalig in Deutschland nachgewiesen wurde. Neutralisierende Antikörper gegen das WNV wurden vorrangig in Langstreckenziehern gefunden, was mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen Viruskontakt in den südlich gelegenen Winterquartieren hindeutet. Aber im Jahr 2018 konnten erstmals hohe Antikörpertiter auch in Standvögeln und Kurzstreckenziehern in Ostdeutschland nachgewiesen werden. Diese hohen Antikörpertiter beruhen sehr wahrscheinlich auf einem kürzlich stattgefundenen Kontakt mit dem WNV in diesem Gebiet und sind ein Anzeichen für eine Viruszirkulation in der einheimischen Vogelpopulation in dieser Region.

Das Tick-Borne Enzephalitis Virus (TBEV) ist ein weiteres zoonotisches Flavivirus, welches vor allem durch Zecken übertragen wird. Eine mögliche Rolle von Vögeln im Übertragungszyklus dieses Virus ist noch weitgehend ungeklärt, weshalb im zweiten Teil dieser Studie jeweils Hühner und Enten subkutan mit dem Stamm TBEV Neudoerfl infiziert wurden. Sowohl die Hühner, als auch die Enten zeigten keinerlei klinische Symptome. Vereinzelt konnte in einigen Tieren eine Virämie oder Virusausscheidung nachgewiesen werden. Eine Serokonversion war in allen Tieren (bis auf eines) nachweisbar. Postmortal gelang in den Hühnern der Nachweis von TBEV-RNA vereinzelt in verschiedenen Organen. Im Gegensatz dazu waren alle infizierten Enten TBEV-RNA positiv im Gehirn, inklusive dem Nachweis einer Enzephalitis und TBEV-Antigen mittels Immunhistochemie.

Da sowohl die Hühner, als auch die Enten keine hohe und langanhaltende Virämie entwickelt haben, spielen diese Vogelspezies sehr wahrscheinlich keine aktive Rolle im Übertragungszyklus des TBE Virus. Jedoch können Hühner und Enten, aufgrund ihrer schnellen Serokonversion und der hohen Antikörpertiter, als Sentineltiere genutzt werden und zusätzlich zur molekularbiologischen Untersuchung von Zecken eingesetzt werden, um neue bisher unentdeckte TBEV Naturherde zu identifizieren.

Mit USUV befallene, apathische Amsel

Foto: Sylvia Urbaniak & Frank Seifert, Pflegestation für Greifvögel und Eulen, Nordrhein-Westfalen, www.greifvogelhilfe.de