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Schmallenberg-Virus und Orbviviren in Gnitzen – Beobachtungen in Feld und Labor

 

bearbeitet am Institut für Virusdiagnostik

In meiner Arbeit habe ich mich mit Viren beschäftigt, die durch Gnitzen übertragen werden und Krankheiten bei domestizierten und wildlebenden Wiederkäuern auslösen können. Bei Gnitzen der Gattung Culicoides spp. handelt es sich um 1-3 mm große blutsaugende Zweiflügler, die als Vektoren u.a. das Schmallenberg-Virus, sowie das Virus der Blauzungenkrankheit auf Wiederkäuer übertragen können. Ausbrüche mit diesen Viren haben in landwirtschaftlichen Tierhaltungen in Deutschland in den letzten Jahren nicht nur zu Tierverlusten und Tierleid geführt, sondern auch massive wirtschaftliche Schäden verursacht. Aus diesem Grund ist es wichtig, das Auftreten dieser Viren zu überwachen und die Übertragung durch den Vektor Gnitze zu untersuchen. 

Daraus haben sich folgende Ziele meiner Doktorarbeit ergeben: Das erste Ziel war die Durchführung eines Gnitzenmonitorings auf landwirtschaftlichen Tierhaltungen, um die Prävalenzen der Viren in den einheimischen Gnitzenarten zu bestimmen. Das zweite Ziel war die Untersuchung des im Jahr 2023 neu aufgetretenen Serotypen 3 des Virus der Blauzungenkrankheit in experimentellen Gnitzen-Infektionsversuchen. 

Durch die Monitoringstudie ist es uns gelungen die Viren in unterschiedlichen Arten nachzuweisen, sowie das Risiko der Virusübertragung durch die Gnitzen in Abhängigkeit von Standort und Jahreszeit einzuschätzen. In den experimentellen Infektionsversuch mit unserer Gnitzen-Laborkolonie konnten wir zeigen, dass der neue Serotyp 3 des Virus der Blauzungenkrankheit bessere Replikationseigenschaften zeigte als der Serotyp 8 aus dem Jahr 2006, was den rapiden Ausbruch der Blauzungenkrankheit im Jahr 2024 erklären könnte. 

Abbildung 1: Die Gnitzen-Infektionsversuche werden im Insektarium in einer Glovebox durchgeführt (links). Dabei werden die Gnitzen zunächst mit einer infektiösen Blutmahlzeit gefüttert (links). Anschließend werden die blutgefüllten weiblichen Gnitzen mithilfe von speziellen Pinseln sortiert (rechts). Die Immobilisation der Gnitzen erfolgt dabei initial durch CO2 und anschließend durch eine untergelegte Kühlplatte.

Trotz der Gefahr des Eintrags weiterer Serotypen des Virus der Blauzungenkrankheit nach Deutschland, sowie des erfolgten Eintrags eines weiteren Gnitzen-übertragenen Virus, dem Virus der enzootischen Hämorrhagie der Hirsche in Südeuropa, werden Gnitzen bisher, im Gegensatz zu anderen Vektoren wie Mücken oder Zecken, deutlich weniger erforscht. Aus diesem Grund freue ich mich umso mehr über die Auszeichnung meiner Promotion und bedanke mich ganz herzlich bei den Mitgliedern des Fördervereins des Friedrich-Loeffler-Instituts. Ebenso möchte ich mich bei meinen Betreuer:innen, Kolleg:innen und Kooperationspartner:innen bedanken, die mich während meiner Promotionszeit unterstützt haben.